Von Hendrik Neubauer
Heute am 13. September beginnt die IAA 2007. Rauschen wir doch einfach mal an Frankfurt am Main vorbei. Schauen lieber in den Rückspiegel deutscher Automobilgeschichte und fahren nach Stuttgart. Genauer gesagt in das Mercedes Benz Museum in Bad Cannstatt.
Auf den ersten Blick erscheint der Bau, der im Mai 2006 seine Tore öffnete, wie zwei postmoderne Zylindertöpfe. Was den Ortsfremden zunächst mal irritiert, erfreut den Schwaben, der mittlerweile schon von einem neuen Wahrzeichen der Stadt Stuttgart spricht. Leicht erhöht in unmittelbarer Nähe des Stammwerkes gelegen, bildet das mit einer Außenhaut aus Aluminium und Glas umschichtete Gebäude einen imposanten Blickpunkt – ein Hingucker für täglich tausende Autofahrer von der unmittelbar vorbeiführenden B 10.
Blinker setzen und abbiegen. Nun stehen wir vor der Ruhmeshalle schwäbischer Wirtschaftskraft. Die Werbung für das Museum verspricht eine Ausstellung historischer Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz vom ersten Auto der Welt über die legendären Silberpfeile bis zur Gegenwart. Aber mal ehrlich: Wenn man nicht gerade Mercedes-Fanatiker ist, muss man das hier doch nicht haben? Jede Menge Blech und Chrom und Gummi?
Moment mal. Denn wenn man erst einmal mit dem Fahrstuhl auf die oberste Ebene gefahren ist, beginnt eine spektakuläre Zeitreise mit vielen zeitgeschichtlichen Pirouetten und anekdotischen Apercus. Die Reise beginnt mit dem Zeitalter der Postkutschen, Hufschlag und Wiehern waren eben vor Knattern und Hupen. Wir befinden uns Ende des 19. Jahrhunderts, gegen dessen Ende das erste Automobil erfunden wurde. Und vor genau dem steht man jetzt.
Man sollte sich mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Dann folgt man dem Fußweg durch neun Ebenen und sieben "Mythos-Räume" chronologischer Automobilgeschichte aus 120 Jahren. Wer es nicht so mit der Chronologie hat, sollte den Weg durch "Collections-Räume" nehmen, in denen sich thematisch und zeitübergreifend zusammengestellte Exponate vom Rettungswagen über das Papamobil bis hin zum deutschen Mannschaftsbus der Fussball-WM 1974 gruppieren. Der Museumsbesucher kann zwischen den beiden Rundgängen jederzeit wechseln. Endpunkt beider Wege ist die Steilkurve mit den diversen historischen Rennfahrzeugen der Marke mit dem Stern.
Boxenstopp. Was macht denn nun den Besuch für Menschen interessant, in deren Adern kein Tropfen Benzin fließt und die keinen Mercedes Stern im Augapfel tragen. Eine ganze Menge. Da wären die "Zeitrampen" mit großen Bildern. Sie führen in die jeweiligen Säle: Oktoberrevolution, Fusion von Daimler und Benz, Josephine Baker. Willkommen in Raum drei, bei "Diesel und Kompressor". In der Mitte prangen die Autos, der SSK von 1929 oder der Mercedes 770 von 1937, ein Ungetüm von Luxuskarosse. Auf der anderen Seite steht eine "Werkbank", dort wird die Technik erklärt. Jeder bekommt, was ihn interessiert: Große Autos, technische Details oder Anekdoten. Sogar der Audioguide kennt mehrere Kanäle, darunter eine eigene Führung für Kinder.
Und keiner soll mit dem Vorsatz angebraust kommen, in ein paar Stunden wirklich alles sehen zu wollen. Die Autoindustrie - zumal die deutsche - hat gelernt, ihre Vergangenheit als wertvolles Kapital zu betrachten und zu präsentieren Mercedes inszeniert seine Geschichte auf äußerst unterhaltsame Weise. Das ist doch was. Und noch was: Das Museum suggeriert seinen Besucher eben gerade nicht, dass das Leben nur als Luxus-Limousinen besteht. Eine durchaus sympathische Erkenntnis.
Alle Infos unter: www.museum-mercedes-benz.com






Wenn ich mal in der Nähe bin, check ich das mal aus. Guter Tipp, danke!
Gruß
Moritz
Kommentiert von: Moritz | 13. September 07 um 11:24 Uhr