Außen Erde.
Innen Himmel.
Von Hendrik Neubauer
Hier in Schleswig sind wir zu einer Raumfahrt verabredet. Schon den Menschen im
Barock galt der Gottorfer Globus als Weltwunder. Rund 350 Jahre später geraten
die Besucher immer noch ins Staunen.
Hinter dem Schloß Gottorf setzt eine Allee an, wir folgen dieser und blinzeln
alsbald um die vor uns liegende Ecke eines Waldhanges. An einem sonnigen
Südhang präsentiert sich auf sechs Terrassen, die sich konisch nach oben
verjüngen, ein wunderbarer Barockgarten. Inmitten dieser herrlich rekonstruierten
Gartenkunst stand ehemals die Friedrichsburg, erbaut im so genannten
persianischen Stil. Heute erhebt sich im Scheitelpunkt des Herkulesteich ein „niemoodscher“
Bau, wie man in dieser Ecke Schleswig-Holsteins auch sagt. Das heutige Globushaus
will auffallen und gibt gelungenerweise in seinem architektonischen Minimalstil
schon von weitem den Blick frei auf die eigentliche Sensation: Den Globus.
Das erste Planetarium der Menschheit ist ein Wunderwerk zeitgenössischer Handwerkskunst,
Naturwissenschaft und Technik. Im Barock war es den Besuchern erstmals möglich,
einen über drei Meter großen, begehbaren Globus zu umrunden und zu besteigen. Außen
die Erde, innen der Himmel. Der kunst- und wissenschaftsinnige Herzog Friedrich
III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597-1659) hatte dieses Werk ab 1650 von
seinem Hofgelehrten Adam Olearius planen und errichten lassen. Der Herzog
selbst erlebte die Jungfernfahrt 1665 nicht mehr.
Während die ersten zwölf Besucher sich durch die enge Tür mit dem Gottorfer Wappen
gezwängt haben und schon mal zur Erkundung des Himmels gestartet sind, stehen
wir mit dem Audiogerät am Ohr vor dem sich drehenden Globus und staunen
darüber, wie genau die Menschen um 1650 bereits die Erde kartografiert hatten. Bis
auf das leicht ausfransende Australien, das hier noch Neu-Holland heißt, kannte
man die Umrisse der übrigen vier Kontinente schon recht genau. Fantastischerweise
bevölkern jede Menge Ungeheuer und Fabeltiere die Landmassen und Ozeane. Selbst
manch Erwachsener hat hier schon die Hände vor den Kopf geschlagen, Auge in
Auge mit den Menschenopfern in Südamerika, die die Maler des 17. Jahrhunderts
nach dem Hörensagen sehr detailreich und farbenfroh inszenierten.

















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