Experten, Enthusiasten, Erlebnisse
Von Johannes Wendland
Die altehrwürdige Stadt Merseburg liegt mitten zwischen den beiden Chemiekomplexen Buna und Leuna. Zu DDR-Zeiten war die Luft hier grau und verseucht, egal woher der Wind wehte. Die riesigen Kombinate beschäftigten Zehntausende. Seit 1990 sind große Teile der chemischen Industrie zwischen Halle und Leipzig stillgelegt. Nach rund einem Jahrhundert, in dem die mitteldeutsche chemische Industrie zeitweise Weltgeltung besaß, sind einige hochspezialisierte Fabriken übrig geblieben, in die Investitionen in Milliardenhöhe flossen.
Was tun mit den Altanlagen? Viele Installationen haben Technikgeschichte geschrieben. Zu schade, um alles zu verschrotten, meinte Mitte der 90er Jahre auch ein Kreis ehemaliger Chemiearbeiter und Ingenieure. Sie gründeten den Verein „Sachzeugen der Chemischen Industrie“, der mit Unterstützung der Stadt, des Landes Sachsen-Anhalt und dem Einsatz von Beschäftigungsgesellschaften sowie ABM-Kräften den Plan in Angriff nahm, in Merseburg das Deutsche Chemiemuseum zu errichten. Ein Museum, das derzeit aus einem Technikpark und einem Experimentallabor für Schüler, dem so genannten Science Center, besteht, in absehbarer Zeit aber noch um einen Ausstellungskomplex erweitert werden soll.
Chemie im Park
Heute ist die Luft in Merseburg sauber. Die akkurat präsentierten Exponateim Technikpark wirken gewienert und geputzt, die Wege durch das Ausstellungsgelände sind so ordentlich geharkt, dass man beinahe einen Bogen über den grünen Rasen machen mag. Stück für Stück, Exponat für Exponat ist auf Tafeln beschrieben, mit Hinweisen wie „Die Hochdruckpolymerisation des Ethylen verläuft radikalisch und wird durch Initiatoren ausgelöst.“ Wer nicht sein Leben in einer Chemiefabrik verbracht hat, Chemie studiert oder im Schulfach Chemie außerordentliche Leistungen vollbracht hat, verlässt den hübschen Technikpark so schlau oder so dumm wie er gekommen ist.
Die Sache ist von Spezialisten gestaltet worden für ihresgleichen. Vielleicht regierte die Furcht, sich durch Vereinfachung der Sprache oder übertriebene Museumsdidaktik bei Experten lächerlich zu machen. Oder es fehlte bei der Vorbereitung ganz einfach jemand, der den Finger gehoben und ganz einfache Fragen gestellt hat.
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