An Bord der Luftschiffe
Von Max Annas
Der ehemalige Bahnhof allein ist schon Grund genug für einen Ausflug nach Friedrichshafen. Direkt am Bodensee gelegen, vermittelt das Bauhaus-Gebäude
alle architektonische Klarheit. Stellt sich noch gutes Wetter ein, bilden Haus auf der einen und See auf der anderen Seite eine unschlagbare Einheit. So eine Promenade gibt es in Deutschland nicht noch einmal.
Zeppelin
Wir kennen alle den berühmten Schnauzbart des Grafen gleichen Namens, der sich jahrzehntelang bemühte, die markanten grauen Riesen in die Luft zu bringen. Der Graf Zeppelin war ein Pionier, einer der bereit war, sein Leben und das anderer aufs Spiel zu setzen, um neue technische Standards zu setzen. Wir leben heute damit, wir fliegen in Flugzeugen, die auf einer komplett anderen Idee basieren auch darum geht es im Zeppelin Museum.
Das Prunkstück des Museums ist der Nachbau eines Teils der Flugzelle der Hindenburg. Das bis dahin größte Luftschiff war 1937 bei der Ankunft auf dem nahe New York gelegenen Militärflughafen Lakehurst in Flammen aufgegangen eine der großen traumatischen Erfahrungen der Fortschrittsgemeinde. In der größten Halle des Museums besteigt man über eine karge Leitertreppe just wie damals die Zelle, die am Unterbauch des fliegenden Monuments hing. Sofort ist man gefangen in einer seltsamen Mischung aus Luxus und Kargheit. Das Raumangebot ist schmal, erinnert ein wenig an einen Schafplatz im Zug. Viel Platz war schließlich nicht in der schwebenden Hütte.
Die Salons, Aufenthaltsräume und Restaurants zugleich, sind etwas großzügiger gestaltet. Der größte von ihnen wird dominiert von einer wandgroßen Zeichnung der Erde, wie sie sich Deutschland in den 30er Jahren gern vorgestellt hat, ganz authentisch, wie in der Hindenburg. Dort sind in dicken Farbbögen die Wege vermeintlicher Eroberer von Christoph Columbus bis James Cook eingezeichnet die Wege, die der deutsche Zeppelin über die Weltmeere schwebend zurückgelegt hat, sind dort gleichberechtigt vermerkt. Heißa, wir haben auch einen Eroberer. Dass die erste Luftschifffahrt über den Atlantik eine britische war, störte das nationalistisch aufgeladene Land in dem Zusammenhang natürlich nicht weiter.
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